Wie schreibt man einen Roman? Zum Beispiel mit Word.

Es gib zahlreiche spezialisierte Programme für Autoren, sogar solche, die Vorschläge zur Handlung machen. Die meisten dieser Programme wollen hauptsächlich bei der Organisation des Romans in Szenen und Kapitel helfen. Sie geben auch Auskunft, in welchen Szenen welche Figur auftaucht und führen Timelines, damit man sich nicht im Zeitablauf verheddert. Man kann sich auch jede Menge Notizen zu Personen, Orten und sogar Gegenständen machen.

Ich habe einige dieser Programme ausprobiert, und obwohl es da viele nützliche Funktionen gibt, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nichts davon mir wirklich hilft Zeit zu sparen oder bessere Bücher zu schreiben. Word benutze ich seit 25 Jahren, da kenne ich alle Funktionen und kann mir meine Schreibumgebung so einrichten, wie ich sie möchte. Die Spezialprogramme sind eher unflexibel, denn sie glauben bereits zu wissen, wie ein Romanautor arbeitet.

 Was braucht man denn: Hauptsächlich eine Übersicht über Kapitel und Szenen. Kein Problem, dafür gibt es Gliederungsebenen. Kapitel sind Ebene 1, Szenen Ebene 2. In die Titel der Szenen schreibe ich in einem Satz, was in der Szene passiert. Und die Zeit, so was wie „Dienstag Mittag“. Den Navigationsbereich in Word aufgerufen, und schon habe ich eine prima Übersicht, in der ich auch problemlos Szenen umsortieren kann.

Für die Notizen über Personen und Orte benutze ich ebenfalls ein hierarchisch strukturiertes Dokument, in dem einfach die Namen die Überschriften sind. Damit ich keine wichtigen Eigenschaften vergesse, die man nicht so oft erwähnt, wie zum Beispiel Alter und Aussehen, habe ich eine Fragestruktur angelegt, die ich dann bei jeder neuen Person hineinkopiere. Ich fülle aber gar nicht alle Punkte von Anfang an aus. In allen Büchern über das Romane-schreiben steht zwar, dass man sich seine Personen schon vorher bis ins letzte Detail überlegen sollte. Aber das sehe ich nicht so eng. Oft kopiere ich die Angaben erst an der Stelle aus dem eigentlichen Romantext, an der ich sie schreibe. Gerade bei Krimis gibt es ja oft Gründe, dass etwas so und nicht anders sein muss, was sich aber erst im Laufe der Handlung ergibt. Wenn man jedoch eine Tatsache oder Eigenschaft eingeführt hat, muss man das in Zukunft für alle Zeiten berücksichtigen. Und da ich ziemlich vergesslich bin, muss ich das oft später nachlesen. Da ist es praktisch, wenn ich nicht das ganze Buch durchsuchen muss.

Noch ein drittes Dokument habe ich während des Schreibens ständig geöffnet, das ist mein in Kladde geschriebenes Exposé. Darin stehen ausschließlich die Ereignisse und Fakten, die für die Krimihandlung im engeren Sinne, also die Suche nach dem Täter, relevant sind. Damit möchte ich sicherstellen, dass ich mich beim Schreiben nicht plötzlich in einen Seitenarm treiben lasse, aus dem ich dann nicht mehr herauskomme. Und wenn ich doch plötzlich beschließe, dass diese eine Szene ganz anders abläuft als ursprünglich geplant, dann kann ich hier schnell sehen, ob ich damit weiterhin am Schluss zu meinem Täter komme. In einem Krimi streut man ja im Verlauf der Handlung diverse Hinweise, und wenn die früheren Hinweise nicht mehr zur späteren Auflösung passen, dann kommt man in den Wald und kann das halbe Buch umschreiben.

Wahrscheinlich gibt es viele Autoren, die das alles locker im Griff haben. Aber ich weiß manchmal nicht einmal, ob ich eine Szene schon aufgeschrieben habe, oder ob sie sich bis jetzt nur in meinem Kopf abspielt. Das liegt wohl daran, dass ich quasi nicht nur während des Schreibens schreibe. Die besten Bilder entstehen im Kopf, wenn der Geist offen ist. Bei mir oft beim Wandern oder Radeln. Entspannung ist der Schlüssel zur Kreativität. Ganz phantastisch erklärt das der Hirnforscher Prof. Hüther in seinem unterhaltsamen Vortrag.

 

Jens Schlicht gefällt dieser Artikel

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