Mein erstes Auto

Dies ist eine wahre Geschichte, aber warum ich sie aufgeschrieben habe, weiß ich nicht mehr:

Mein erstes Auto war ein gelber Fiat 500 mit Sonnendach. Er hat irgendwas um die 750 DM gekostet. Oder waren es 1.750 ? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall war ich 18, und er war auch nicht viel jünger. Unser gemeinsames Problem war, dass er genau so wenig Auto fahren konnte wie ich. Das heißt, ihm fehlten einige Bestandteile, die man normalerweise an einem Auto erwartet. Dinge wie Profil auf den Reifen und Beläge auf den Bremsen. Und während der Fahrt sprang oft einfach der Gang raus, zum Beispiel wenn man bergan fuhr oder mehr als eine Person im Auto saß. Das war ihm einfach zu anstrengend.

Leider wohnte ich zu der Zeit in Hamburg-Blankenese, und zwar eher unten. Zur Berufsschule musste ich jeden Morgen einen steilen Berg rauf. Ach ja, bevor ich losfahren konnte, musste ich das Autochen erstmal aufwecken. Das heißt, ich musste minutenlang im Leerlauf Gas geben, bis der Motor warm genug war, und währenddessen quollen hinten malerische blaue Wolken aus dem Auspuff. Die Nachbarschaft war begeistert.

Dann fuhr ich also los, den Berg hoch. Dabei hielt ich mit einer Hand krampfhaft den Schalthebel fest, weil sonst der Gang heraus sprang. Manchmal löste sich jedoch statt dessen irgendein anderes Teil, zum Beispiel das Zündkabel von einem der beiden Zylinder. Damit fielen dann 50 % der Leistung aus, so dass ich nur noch über 9 PS verfügte. Ich habe dieses Kabel später mit einem Gummiband und einem kleinen Stöckchen befestigt.

Im Herbst hatte ich mit dem Fiat meinen ersten Unfall. In einer Kurve sah ich vor mir plötzlich einen LKW. Ich bremste, aber das Auto nicht, denn in der Kurve lag rutschiges Laub. Wir beide rutschten in den LKW hinein. Der Fahrer stieg aus und wunderte sich. Aber da sein Wagen nicht den kleinsten Kratzer hatte, nahm er die Sache nicht weiter tragisch. Mein Kleiner hingegen hatte fortan eine verbeulte Schnauze. Ich habe ihm daraufhin auch neue Räder spendiert, was allerdings nicht viel half. Irgendwie weigerte er sich weiterhin zu bremsen.

Einige Zeit später fuhr ich auf der Königstraße, einer vielbefahrenen, vierspurigen Hauptverkehrsader in Hamburg St.-Pauli. Vor mir fuhr ein Golf – mit einem Polizisten in Ausbildung am Steuer, wie sich kurze Zeit später herausstellte. Weiter vorn stand ein Bus in einer Haltebucht. Kurz bevor der Golf ihn erreicht hatte, fing er an zu blinken. Der Golf-Fahrer stieg in die Eisen, und ich fuhr ihm mit Karacho hinten drauf. Mein Fiat hatte es einfach nicht mit dem Bremsen. Der Polizist hatte 3.000 Mark Schaden, ich 750 oder 1.750, je nachdem. Auf jeden Fall Totalschaden. Tja, so tragisch endet die Geschichte meines ersten Autos.

Fredrika Gers


Kommentare

Mein erstes Auto — 1 Kommentar

  1. Tja, junge Leute und alte Autos…in meinem Fall war beim ersten Unfall mein Auto stärker und das andere Totalschaden…leider hatte das andere Vorfahrt gehabt, obwohl die Polizei zugeben mußte, daß es ihnen an der Stelle auch nicht besser gegangen wäre. Aber wenigstens ist niemand was passiert.

    Aber einem Bullen mit schlechten Bremsen ins Hinterteil rasseln, das ist auch nicht ohne.

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